Das Iran-Komitee Wien ist eine Zusammenkunft iranischer Studend:innen und Aktivist:innen, die gegen die US-amerikanische und zionistische Aggression auftreten und seit dem Beginn des Angriffs wöchentliche Kundgebungen in Solidarität mit dem Iran organisieren. Der folgende Text ist ihr Redebeitrag an der Solidaritätskundgebung im Wiener Proda-Platz am 03. Mai 2026
Im Namen Gottes
Wir sind heute hier zusammengekommen, um unsere Solidarität mit den Menschen im Iran, im Libanon und in Palästina zu zeigen. Wir sind hier, um den brutalen Angriff der USA und Israels auf Westasien zu verurteilen. Wir sind hier, um vor den Folgen der Kriegspolitik der USA für das Wohlergehen und die wirtschaftliche Stabilität Europas zu warnen.
Am 28. Februar wurde der Iran erneut, während der Atomverhandlungen mit den USA, von den USA und Israel angegriffen. Am ersten Tag dieser Angriffe wurde die Grundschule Shajareh Tayebeh in Minab von amerikanischen Raketen getroffen. Dabei wurden mehr als 160 unschuldige Schülerinnen und Schüler getötet.
In fast 40 Tagen dauernder Bombardierung Irans haben die USA und Israel alle roten Linien der Menschenrechte und sogar die Regeln des Krieges verletzt.
Am 4. März wurde der unbewaffnete Zerstörer Dena, viele hundert Kilometer von den Grenzen Irans entfernt, in internationalen Gewässern zweimal von amerikanischen Torpedos getroffen. Bei diesem Verbrechen wurden 104 Seeleute getötet. Die Körper von 20 von ihnen wurden nie gefunden.
Neben diesen militärischen Angriffen drohte der Präsident der USA dem Iran indirekt mit einem Atomangriff. Er sagte, man werde den Iran in die Steinzeit zurückwerfen und das iranische Volk auslöschen.
Auch der Waffenstillstand hat die Verbrechen der USA und Israels nicht beendet. Schon am ersten Tag des Waffenstillstands tötete Israel in einem selten brutalen Angriff innerhalb von zehn Minuten 300 Menschen im Süden des Libanons. Tausend weitere Menschen wurden verletzt.
Gleichzeitig verhängten die USA eine Seeblockade gegen die südlichen Küsten Irans. Das ist klar ein Kriegsakt und ein offener Bruch des Waffenstillstands. Iran stoppte als Gegenreaktion die Durchfahrt von Schiffen durch die Straße von Hormus.
Die Folgen dieser Lage bleiben nicht auf den Iran beschränkt. Der Krieg gegen Iran und die Blockade der Straße von Hormus haben den Ölpreis stark steigen lassen. Auch die internationalen Lieferketten wurden gestört. In Europa sind seit Beginn dieses Krieges die Preise für Treibstoff und Energie deutlich gestiegen. Aber diese Teuerung betrifft nicht nur den Tank des Autos oder die Heizkosten zu Hause. Höhere Energiepreise führen zu höheren Produktionskosten. Dadurch werden Waren, Lebensmittel und auch Dienstleistungen teurer.
Für die Industrie in Europa bedeutet das: weniger Gewinn, weniger Wettbewerbsfähigkeit und Verlust von Märkten weltweit. Wenn diese Lage weitergeht, werden viele Fabriken in Europa schließen müssen. Viele Menschen werden ihre Arbeit verlieren. Hohe Arbeitslosigkeit wird auch die öffentlichen Haushalte stärker belasten. Am Ende werden öffentliche Leistungen gekürzt: im Gesundheitswesen, in der Bildung und beim Ausbau der Infrastruktur.
Diese Krise kommt zu einer Zeit, in der Europa bereits hohe Kosten bezahlt hat, weil die Interessen der USA den Interessen der Menschen in Europa vorgezogen wurden — insbesondere im Krieg in der Ukraine. Das Verbot von russischem Öl, die Sprengung der Nord-Stream-2-Gasleitungen, der Rückzug europäischer Firmen aus Russland und die hohen Kosten eines vermeidbaren Krieges: All das war gegen die Interessen Europas und diente den Interessen der USA.
Als Folge dieser Politik müssen heute viele Familien in Europa länger arbeiten, um ihre Lebenshaltungskosten zu decken. Sie haben weniger Wohlstand und müssen auf viele wichtige Dinge verzichten.
Darum müssen wir die Bürgerinnen und Bürger Europas fragen:
Seid ihr damit einverstanden, dass dieser Weg weitergeht?
Seid ihr damit einverstanden, dass Inflation, hohe Preise und eine schlechtere Lebensqualität den Preis für die sinnlosen Kriege des Kapitalismus zahlen?
Seid ihr damit einverstanden, dass Waffenfirmen und Kriegsprofiteure euren Wohlstand und eure Ruhe für ihren Profit opfern?
Seid ihr damit einverstanden, dass Geld, das für Infrastruktur, bessere Bildung, öffentliche Gesundheit, Gemeindewohnungen, soziale Sicherheit und eine sichere Pension gebraucht wird, für Kriege mit falschen Begründungen und für das Töten unschuldiger Menschen ausgegeben wird?
Wir müssen fragen:
Ist Europa bereit für die langfristigen Folgen der imperialistischen Kriegspolitik in Westasien?
Kann Europa neue Wellen von Kriegsflüchtlingen aufnehmen?
Wollen die Menschen in Europa wieder den Preis für Krisen zahlen, die ihnen von Politikern auferlegt werden, die von den USA abhängig sind?
Wir sagen klar: Die Welt, und besonders Europa, darf nicht länger den Preis für die Kriege des Imperialismus zahlen.
Die Bürgerinnen und Bürger Europas müssen das Recht der Völker auf Selbstbestimmung respektieren und sich gegen die Kriegspolitik des herrschenden Systems stellen.
Sie müssen Politiker zur Verantwortung ziehen, die die Interessen der europäischen Bürgerinnen und Bürger gegen die Interessen amerikanischer und israelischer Kapitalisten eintauschen.
Die Menschen in Europa dürfen nicht zulassen, dass abhängige Medien die Gesellschaft darauf vorbereiten, Gewalt, Sanktionen, Blockaden und militärische Eingriffe zu rechtfertigen.
Aber es geht nicht nur um die wirtschaftlichen Interessen Europas. Schweigen gegenüber kolonialen und imperialistischen Taten ist auch ein Verrat an hohen menschlichen Werten. Gegen Unrecht aufzustehen, das Recht der Völker auf Selbstbestimmung zu unterstützen, die Würde des Menschen zu verteidigen und anderen Menschen zu helfen — das sind moralische Pflichten aller Menschen. Diese Pflichten dürfen nicht für politische oder wirtschaftliche Rechnungen geopfert werden.
Wir erinnern uns an achtzig Jahre langes Leid des palästinensischen Volkes. Wir betonen: Man darf nicht schweigen, wenn internationales Recht verletzt wird und wenn die Logik von Macht, Drohung und Krieg die Welt bestimmt.
Gestern waren Palästina, Vietnam, Kuba, Venezuela, Irak und Afghanistan Opfer dieser Logik der Herrschaft. Heute sind es Iran und Libanon. Und morgen könnte Europa an der Reihe sein.
Wie Papst Leo gesagt hat: Frieden entsteht nicht durch Drohung, Demütigung und Gewalt. Frieden entsteht durch ehrlichen, respektvollen und guten Dialog. Frieden ist nur dann dauerhaft, wenn die Sicherheit und die Würde aller Völker anerkannt werden.
Man kann die Sicherheit eines Volkes nicht auf der Zerstörung der Sicherheit anderer Völker bauen.
Wahre Sicherheit ist gemeinsame Sicherheit.
Frieden hat nur dann Sinn, wenn er auf Gerechtigkeit, Unabhängigkeit und gegenseitigem Respekt beruht.
Darum fordern wir, freie Bürgerinnen und Bürger der Welt, entschieden:
ein sofortiges Ende der militärischen Drohungen der USA und Israels in Westasien,
ein Ende der Seeblockade und der illegalen Sanktionen gegen Iran,
und vollen Respekt vor der Souveränität und Unabhängigkeit der Länder der Region.
Wir fordern ein Ende des historischen Leids des palästinensischen Volkes, die Freiheit der palästinensischen Gefangenen, und die Befreiung der besetzten Gebiete in Palästina, im Libanon und in Syrien.
Wir fordern ein Ende des Krieges, der Gewalt, der Sanktionen, der Blockaden und der Besatzung.
Wir fordern den Sieg der Gerechtigkeit über die Herrschaft, des Friedens über den Krieg, der Brüderlichkeit über den Hass und der Menschenwürde über die Logik der Barbarei.
Heute ist unsere Botschaft klar:
Nein zum Krieg!
Nein zur Besatzung!
Nein zu Sanktionen!
Nein zur Blockade!
Hände weg von Palästina!
Hände weg vom Libanon!
Hände weg vom Iran!
نادي فلسطين العربي APC